Obstbäume schneiden – Eine Anleitung

Tipps für den Obstbaumschnitt

Wer sich Obstbäume in den Garten holt, der kann sich nicht nur über frisches Obst in bester Qualität freuen. Allerdings müssen Sie einiges dafür tun, um die Bäume gesund zu halten und Sie somit reichlich Obst ernten können. Vor allem der Obstbaumschnitt ist wichtig, denn er legt die Grundlage für ein kräftiges Wachstum, eine üppige Blütenbildung und demzufolge auch für eine reiche Ernte. Mit den richtigen Schnitt-Techniken sorgen Sie für einen gesunden Baum und beugen somit Läusen und Pilzen vor.

Obstbäume müssen jedes Jahr geschnitten werden

Damit sich Ihre Bäume gesund und kräftig entwickeln und bald eine üppige Obsternte möglich ist, müssen sie jedes Jahr geschnitten werden – von klein auf! Damit Sie beim Obstbaumschneiden nichts falsch machen, haben wir hier einige Tipps, wie Sie beim jährlichen Schneiden der Bäume vorgehen sollten.

Obstbäume schneiden – Anleitung nach Jahren

  • 1. Jahr:
    Im ersten Jahr ist der Baum noch klein und hat wenig Äste. Doch gerade jetzt sollten Sie schon das erste Mal die Schere zücken. Man sollte dafür sorgen, dass ausschließlich ein Mitteltrieb vorhanden ist. Zwicken Sie also konkurrierende Äste ab.
    Zudem sollten Sie die Seitentriebe leicht kürzen. Der Mitteltrieb sollte etwas länger sein als die Seitentriebe.
  • 2. Jahr:
    Im zweiten Jahr wird zwar nicht geschnitten, allerdings finden stattdessen andere Pflegemaßnahmen statt, um die zukünftige Form der Krone zu definieren. Binden Sie Leitäste, die zu steil nach oben wachsen, in die Waagerechte. So geben Sie ihnen eine andere Richtung, wodurch sich schneller Früchte bilden können.
  • 3. Jahr:
    Ab dem dritten Jahr müssen Triebe, die zu steil nach oben oder nach unten wachsen, entfernt werden. Sorgen Sie für ausreichend Raum zwischen den Ästen, kontrollieren Sie einen möglichen Krankheitsbefall regelmäßig und entnehmen Sie bei Bedarf befallene Stellen. Diese Arbeit wiederholen Sie nun die nächsten Jahre.
  • Ab dem 6. Jahr:
    Ab dem 6. Jahr werden nur noch Triebe entfernt, die zu dicht stehen und Zweige, die alt sind. So können sich Früchte besser bilden und Sie können sich über eine reiche Ernte freuen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Obstbaumschnitt?

Üblicherweise werden Obstbäume zwischen Januar und März geschnitten, da der Baum in dieser Zeit noch nicht “im Saft” steht. Das bedeutet, dass der Wasserfluss der Bäume noch eingeschränkt ist und die Knospen noch nicht austreiben. Achten Sie beim Schnitt allerdings darauf, dass keine Minusgrade herrschen, denn die Schnittwunden würden sonst sehr schlecht verheilen.
Pfirsichbäume werden allerdings erst im April während der Blüte geschnitten, da sich die einzelnen Triebe in dieser Zeit deutlich besser unterscheiden lassen. Kirschbäume wiederum benötigen den Baumschnitt erst nach der Ernte im Sommer.

So schneiden Sie Obstbäume richtig

Ganz am Ende unseres Artikels haben wir für Sie einige Begriffserklärungen angeführt, um Unklarheiten vorzubeugen.

Phasen des Baumschnitts im Überblick

Wie oben schon ausführlich erwähnt, werden Obstbäume auf die unterschiedlichste Art und Weise geschnitten, um unterschiedliche Ziele zu erreichen. Zunächst einmal gibt es einen Schnitt, den Sie einmalig und direkt nach dem Pflanzen durchführen müssen. Dieser nennt sich dementsprechend auch Pflanzschnitt. Anschließend folgen der jährliche Erziehungsschnitt und später auch der Erhaltungs- und Verjüngungsschnitt. Bei diesen Schnittmaßnahmen müssen Sie wie folgt vorgehen:

Pflanzschnitt

Diese Maßnahme ist besonders wichtig für einen guten Start des Baumes. Der junge Obstbaum hat bei der “Übersiedelung” Teile seiner Wurzelmasse verloren und kann mit dem restlichen Wurzelballen die Menge der Triebe nicht ausreichend versorgen.
Sobald der junge Baum in den Garten eingesetzt wurde, greifen Sie bitte direkt zur Gartenschere und führen den Pflanzschnitt durch. Nach dem Einpflanzen sollten Sie starke Triebe um die Hälfte und schwache um ein Drittel einkürzen. Wichtig dabei ist, dass Sie auf die so genannte Saftwaage achten, sprich alle Leittriebe auf die gleiche Höhe einkürzen. Ebenso muss auch der Mitteltrieb gekürzt werden – dieser sollte allerdings 10 Zentimeter länger sein als die Leittriebe.

Prinzipiell gilt: Achten Sie beim Schneiden immer auf Knospen, die nach außen wachsen. Rund 5mm oberhalb dieser Knospen können Sie die Äste schräg abschneiden. Dickere Äste sollten Sie hingegen möglichst dicht über der Verzweigung kappen.

Obstbaum schneiden - der Pflanzschnitt

© 2017 Fiskars Group

Erziehungsschnitt

Den Erziehungsschnitt müssen Sie dann ab dem zweiten Pflanzjahr durchführen. Bei diesem Schnitt ist das Ziel, die Ernte zu steigern.
Sie lichten die Krone aus und sorgen so dafür, dass die Früchte mehr Licht erhalten. Entfernen Sie bei diesem Schnitt Triebe, die parallel zu den Leittrieben wachsen, sich kreuzen oder nach innen wachsen.

Schneiden Sie danach die Leittriebe der Krone wieder in die Saftwaage.

So können Sie Jahr für Jahr sicherstellen, dass der Obstbaum reichlich Früchte trägt und Krankheiten und Schädlinge keine Chance haben.

Obstbaum schneiden - der Erziehungsschnitt

© 2017 Fiskars Group

Erhaltungsschnitt

Der Erhaltungsschnitt wird erst durchgeführt, wenn der Baum in etwa 10 Jahre alt ist. Hier wird alles entfernt, was eine reiche Ernte behindert oder sogar verhindert. Sie sollten alle Triebe entfernen, die

  • nach innen gewachsen sind
  • zu dicht stehen
  • tief hängen
  • zum Boden wachsen
  • sich berühren
  • senkrecht in die Höhe schießen (Wasserschosser)
  • abgestorben sind

Nach diesem Schnitt sollte der Baum im nächsten Jahr wieder reichlich Früchte tragen.

Obstbaum schneiden - der Erhaltungsschnitt

© 2017 Fiskars Group

Verjüngungsschnitt

Im Laufe der Jahre werden Sie beobachten , dass die Ernte immer geringer ausfällt. Spätestens dann wird es Zeit für einen Verjüngungsschnitt. Bei diesem Schnitt geht es darum, den Obstbaum einmal gründlich auszulichten. Schneiden Sie Leittriebe dazu einmal radikal zurück. Anschließend müssen Sie all das machen, was auch beim Erhaltungsschnitt ansteht. Sprich also abgestorbene, nach innen wachsende, sich berührende, usw. Äste entfernen. Seien Sie nicht zimperlich. Sie können den Baum nicht “kaputt schneiden”.

Schnittwunden versiegeln oder nicht?

Viele greifen nach dem Obstbaumschnitt auf so genannte Wundschutzmittel zurück in der Annahme, so das Eindringen von Keimen in den Baum zu verhindern. Wir raten jedoch davon ab, denn Wundschutzmittel können sogar Gegenteiliges bewirken. Wenn die künstliche Rinde rissig wird, kann Wasser eindringen, was wiederum einen Pilzbefall begünstigt. Deshalb sollten Sie auf derartige Mittel verzichten. Bäume können sich dank dem so genannten Kallus, einem natürlichen Wundgewebe, gut selbst heilen.

Begriffserklärungen

Mitteltrieb:
Der Mitteltrieb ist der Trieb, der die Stammverlängerung bildet. Er sollte möglichst gerade nach oben wachsen und ausreichend stark sein.

Leittriebe:
Leittriebe sind Triebe, die dem Mitteltrieb in einem Winkel zwischen 45° und 90° entspringen. Sie formen die spätere Krone.

Wasserschosser (= Wassertriebe):
Wasserschosser sind unverzweigte Langtriebe, die in die Höhe schießen und keine Blütenknospen tragen. Sie werden immer direkt am alten Holz abgeschnitten.

Saftwaage:
Die Saftwaage entsteht, wenn Sie alle Leittriebe auf die gleiche Höhe einkürzen.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen einen Einblick in das richtige Vorgehen beim Schneiden Ihrer Obstbäume gegeben zu haben. Sollten Sie sich dafür entscheiden, den Schnitt von einem Profi durchführen zu lassen, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme!

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